Fermentierte Karotten, Kohlrabi und Radieschen auf Kimchi-Art
Fermentierte Karotten, Kohlrabi und Radieschen auf Kimchi-Art sind ein pikantes Gemüseferment aus geraspeltem Gemüse, das mit Knoblauch, Ingwer, Chili und Gewürzen im Glas fermentiert wird. Die einfache Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie du ein Karotten-, Kohlrabi- und Radieschen-Kimchi selber machen kannst. Besonders an dieser Variante ist die Kombination aus heimischem Gemüse und koreanisch inspirierter Fermentation. Das Ergebnis ist ein angenehm knackiges Gemüseferment mit seinem ganz eigenen Charakter.
Von der Karottenernte zum selbst gemachten Kimchi
Dieses Rezept ist im Zuge einer erfolgreichen Karottenernte entstanden. Einen Teil meiner Karotten (ich pachte jedes Jahr eine Parzelle, um Gemüse anzubauen) verarbeite ich üblicherweise zu einem Karottenkuchen und den großen Rest zu Karottensalat, zum Konservieren im Glas eingekocht.

Da ich gerne mal etwas anderes als Salat ausprobieren wollte, habe ich mich in einer veganen Facebook-Gruppe umgehört. Dort wurde mir vorgeschlagen, die Karotten zu fermentieren. Die Idee gefiel mir sofort. Fermentiertes Gemüse esse ich gerne, gekauftes Kimchi und andere Fermente empfinde ich allerdings oft als überteuert.
Also habe ich meinen höchsten Respekt vor dem Fermentieren abgelegt, meinen ersten Versuch gestartet – und war überrascht, wie einfach es ist und wie gut das Ergebnis war.
Von meiner ersten Charge habe ich etwas an Freunde verschenkt, die davon etwas an eine weitere Bekannte zum Probieren weitergegeben haben. Sie hat mir daraufhin folgende Nachricht geschickt:
Liebe Elisabeth – und alle anderen Interessierten: Hier findet ihr nun die einfache Anleitung mit allen Schritten, meinen Erfahrungen und wichtigen Tipps, damit einem selbsgemachtem Kimchi aus Karotten & Co. nichts mehr im Wege steht.

Ist das noch Kimchi?
Streng genommen ist diese Variante kein klassisches Kimchi, wie man es vor allem mit Chinakohl kennt. Passender ist die Bezeichnung Gemüseferment auf Kimchi-Art: Methode und Würzung sind koreanisch inspiriert, die Zutaten aber bewusst alltagstauglich und leicht erhältlich gewählt.
Inspiriert von Kkakdugi
Geschmacklich erinnert diese Mischung ein wenig an Kkakdugi, ein koreanisches Kimchi aus Rettichwürfeln. Kkakdugi ist knackig, pikant, subtil süßlich und salzig.
In diesem Rezept übernimmt vor allem Kohlrabi eine ähnliche Rolle wie Rettich: Er ist fest, saftig und bleibt auch nach ein paar Tagen Fermentation bissfest. Karotten machen die Mischung etwas runder und süßlicher, Radieschen bringen Frische und eine feine Schärfe.
Der größte Unterschied liegt in den Zutaten und in der Form: Statt Rettichwürfeln wird das Gemüse hier fein geraspelt, und statt zwingend Gochugaru zu verwenden, funktioniert die Würzung auch mit einer Mischung aus edelsüßem Paprikapulver, geräuchertem Paprikapulver und Chilipulver.
Diese Gewürzmischung entstand aus einer Not heraus: Ich hatte für meine zweite Charge bereits das gesamte Gemüse geraspelt, wollte die Paste zubereiten und habe bemerkt, dass mein Gochugaru verschimmelt war.
Nichts passiert ohne Grund – seither mache ich die Paste immer ohne Gochugaru. Dadurch bleibt das Rezept näher an Zutaten, die leicht erhältlich sind, ohne dass die Kimchi-Art-Richtung verloren geht.


Was du brauchst
Die genaue Zutatenliste mit Mengenangabe findest du unten in der Rezeptkarte. Für Geschmack, Textur und Fermentation sind vor allem wichtig:
- Kohlrabi, Karotten und Radieschen: Sie bleiben knackig, bringen natürliche Süße, Frische und leichte Schärfe mit.
- Steinsalz: Ich verwende unbehandeltes Steinsalz ohne Jod und ohne Rieselhilfen. Es zieht Flüssigkeit aus dem Gemüse und bildet die Grundlage für die Lake. Alternativ passt naturbelassenes Meersalz ohne Zusätze. Mit 3 EL, das sind in etwa 45–50 g, Salz auf 1.650 g Gemüse liegt der Salzanteil bei rund 2,7–3 %. Das sorgt für gute Fermentationsbedingungen, eine knackige Textur und eine zuverlässige Haltbarkeit.
- Zwiebel, Knoblauch und Ingwer: Sie sorgen für die kräftige, aromatische Basis der Würzpaste.
- Sojasauce und Zucker: Sojasauce bringt Umami, Zucker rundet ab und unterstützt die Fermentation.
- Paprikapulver edelsüß, Chilipulver und geräuchertes Paprikapulver: Diese Mischung gibt Farbe, pikante Schärfe und eine leichte Tiefe. Solltest du Gochugaru zu Hause haben, kannst du es natürlich auch damit zubereiten.

Worauf es bei der Zubereitung ankommt
Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du weiter unten in der Rezeptkarte. Hier erfährst du die wichtigsten Hintergründe und Tipps, damit dein Karotten-Kohlrabi-Radieschen-Ferment zuverlässig gelingt.
Gemüse in Julienne geschnitten (oder raspeln)
Kohlrabi, Karotten und Radieschen schneide ich am liebsten in Julienne, also in feine, streichholzartige Stifte. Genau genommen schneidet meine Küchenmaschine für mich – irgendwann habe ich mir dafür eine Julienne-Scheibe gegönnt.
Julienne-Streifen bleiben nach der Fermentation etwas definierter und knackiger als geraspeltes Gemüse. Falls du lieber raspelst, verwende am besten die grobe Seite der Reibe. Geraspeltes Gemüse gibt mehr Saft ab und wird schneller weich, wodurch das Ferment kompakter und etwas matschiger werden kann.
Kräftig salzen und gut durchkneten
Das Salz entzieht dem Gemüse Wasser. Daraus entsteht die Lake, in der später die Milchsäuregärung stattfindet.
Knete das Gemüse deshalb ein bis zwei Minuten kräftig durch. Dabei wird die Zellstruktur leicht aufgebrochen, sodass schneller ausreichend Flüssigkeit austritt. Anschließend sollte das Gemüse noch etwas ziehen, bevor du die Würzpaste dazugibst.
Würzpaste gut einarbeiten
Vermenge die Paste sorgfältig mit dem Gemüse, damit sich Gewürze und Aromen gleichmäßig verteilen. Trage dabei am besten Handschuhe, wenn du beispielsweise kleine Schnitte oder rissige Haut an den Händen hast. Chili, Knoblauch, Zwiebel und Salz können auf offenen Stellen unangenehm brennen.

Ein sauberes Glas
Für eine erfolgreiche Fermentation sollte das Glas möglichst sauber sein, damit unerwünschte Mikroorganismen keine Chance haben.
Übergieße Glas und Deckel mit kochend heißem Wasser und lasse alles einige Minuten stehen. Falls der Deckel abnehmbar ist, lege ihn in eine kleine Schüssel und lasse ihn im heißen Wasser schwimmen.
Anschließend das Wasser ausgießen und Glas sowie Deckel kopfüber auf einem sauberen Tuch trocknen lassen.
Fest ins Glas drücken
Drücke das Gemüse beim Einfüllen möglichst fest nach unten, bis ausreichend Lake aufsteigt. Ein Einfülltrichter erleichtert das saubere Befüllen.
Wichtig ist, dass das Gemüse während der gesamten Fermentation vollständig unter der Lake bleibt. Ein Glasgewicht ist dabei hilfreich.
Falls wider Erwarten zu wenig Lake vorhanden ist (ich hatte das Problem noch nicht, aber falls…), dann kannst du etwas 2-%-Salzlösung ergänzen. Dafür löst du 2 g Salz in 100 ml Wasser auf und gibst nur so viel dazu, bis das Gemüse vollständig bedeckt ist.
Glas locker verschließen
Während der Fermentation entsteht Kohlendioxid. Dieses Gas muss entweichen können.
Verwendest du, so wie ich, kein Fermentationsglas mit Ventil, sollte das Glas nur locker verschlossen werden. Bei Bügelgläsern kannst du beispielsweise, so wie ich, den Gummiring entfernen oder den Deckel nur locker aufsetzen.

Wie lange dauert die Fermentation?
Bei normaler Zimmertemperatur sind etwa vier Tage ein guter Ausgangspunkt für die Fermentationsdauer. Wenn du es milder magst, probiere schon nach einem Tag und entscheide dann täglich neu.
Für einen kräftigeren, saureren Geschmack kannst du das Glas fünf bis sieben Tage stehen lassen. Fertig ist das Ferment dann, wenn es dir schmeckt: frisch und mild-säuerlich nach kürzerer Zeit, intensiver und saurer nach längerer Fermentation.
Bei sehr warmen Temperaturen, vor allem über 30 °C, läuft die Fermentation deutlich schneller ab. Tropische Temperaturen sind nicht das Angenehmste für Milchsäurebakterien, die am besten um die 20 °C herum arbeiten.
Doch wenn es nicht anders geht und du im Hochsommer fermentieren möchtest, weil beispielsweise dein selbst angebautes Gemüse schon reif ist, dann probiere dein Ferment lieber früher (bereits 12 bis 24 Stunden können ausreichen) und stelle das Glas rechtzeitig in den Kühlschrank.

Wie lange sind fermentierte Karotten, Kohlrabi und Radieschen haltbar?
Nach der Fermentation kommt das Glas in den Kühlschrank. Dort verlangsamt sich die Fermentation deutlich und das Gemüse hält sich in der Regel mehrere Wochen bis Monate.
Wichtig ist, dass du immer mit sauberem Besteck ins Glas gehst und das Gemüse möglichst unter der Lake bleibt. Wenn sich Geruch, Farbe oder Oberfläche ungewöhnlich verändern oder etwas schimmelig aussieht, solltest du das Ferment nicht mehr essen.
Wenn du größere Mengen zubereitest, kann es sinnvoll sein, das fertige Ferment auf mehrere kleinere Gläser aufzuteilen. So wird beim Entnehmen immer nur ein Glas geöffnet, was die Haltbarkeit zusätzlich unterstützen kann.

Verwendung: Wozu passen fermentierte Karotten mit Kohlrabi und Radieschen?
Die fermentierten Karotten mit Kohlrabi und Radieschen schmecken recht pikant, säuerlich und salzig. Sie eignen sich weniger zum pur essen, aber sind ideal als Topping. Schon ein bis zwei Gabeln geben einfachen Gerichten mehr Würze und Frische.
Besonders gut passt es zu:
- (veganem) Butterbrot oder mit einem (veganen) Frischkäseaufstrich
- Avocadobrot
(Die ersten beiden Optionen sind zu einem meiner beiden Standardfrühstücks geworden, geht schnell und schmeckt köstlich) - Hummus
- Bowls
- Wraps und Sandwiches
- Reisgerichten
- gebratenem Tofu
- Salaten
- …

Womit isst du dein Karotten-Kimchi am Liebsten? Lass es mich in den Kommentaren wissen und inspiriere auch alle anderen Leser:innen.

Karotten, Kohlrabi & Radieschen fermentieren auf Kimchi-Art
Kochutensilien
- Julienne-Reibe *) (ich verwende diese Scheibe für meine Bosch MUM 5-Küchenmaschine. Alternativ: grobe Raspel)
- Mini-Mixer *)
- Glasgewicht *)
Zutaten
- 375 g Karotten
- 375 g Kohlrabi 375 g = ca. 1 Kohlrabi
- 75 g Radieschen 75 g = ca. ½ Bund
- 25 g Steinsalz oder Meersalz *) nicht jodiert, ohne Rieselhilfen
- ½ Zwiebel
- 3 Knoblauchzehen
- 15 g frischer Ingwer
- 1 EL Zucker
- 1½ EL Sojasauce
- 2 EL Wasser
- 1,5 TL Paprikapulver edelsüß
- ¾ TL geräuchertes Paprikapulver
- ¾ TL Chilipulver Damit wird es schön scharf. Wer es gerne mild(er) möchte, bitte entsprechend weniger verwenden.
Zubereitung
- Gemüse vorbereiten: Karotten (falls nicht Bio) schälen, Kohlrabi schälen und Radieschen waschen. Alles mit einer Julienne-Reibe oder groben Raspel in feine Streifen schneiden.
- Gemüse salzen: Das Gemüse mit dem Salz vermengen und 1–2 Minuten kräftig durchkneten, bis Flüssigkeit austritt. Anschließend 30–60 Minuten ziehen lassen.
- Glas sterilisieren: Die Gummidichtung entfernen. Glas und Deckel mit kochend heißem Wasser übergießen, etwa 10 Minuten stehen lassen und anschließend kopfüber trocknen lassen.
- Kimchi-Paste zubereiten: Zwiebel, Knoblauch, Ingwer (falls nötig geschält), Zucker, Sojasauce, Wasser sowie Paprikapulver und Chili fein pürieren.
- Alles vermengen: Die Paste gründlich unter das Gemüse mischen. Bei kleinen Verletzungen an den Händen am besten Handschuhe tragen. Falls nötig den Mixbecher mit 1 EL Wasser ausspülen und ebenfalls zum Gemüse geben.
- Abfüllen: Das Gemüse fest ins Glas drücken, bis die Lake aufsteigt. Mit einem Glasgewicht beschweren. Das Gemüse sollte vollständig unter der Lake liegen. Falls nötig mit etwas 2-%-Salzlösung auffüllen.
- Fermentieren: Das Glas ohne Gummidichtung verschließen und 3–4 Tage bei Zimmertemperatur fermentieren. Einmal täglich kurz öffnen, damit überschüssiges Gas entweichen kann. Wenn du ein milderes Ferment möchtest, probiere es bereits früher. Für einen intensiveren Geschmack kannst du es bis zu 5–7 Tage fermentieren.
- Lagern: Anschließend im Kühlschrank aufbewahren. Dort kann der Deckel fest verschlossen werden.
Video
Notizen
- Zubereitungszeit: Die Angabe bezieht sich auf die Verwendung einer Küchenmaschine mit Julienne-Aufsatz.
- Gewürze: Statt den beiden Paprikapulver und dem Chilipulver kannst du auch 1,5 EL Gochugaru *) verwenden.





[…] Wir durften gestern dein köstliches Kimchi kosten – so gut!! 😍 kommt da bald ein how to auf deinen Blog? Ich brauche das in meinem Leben 😂 […]
– Elisabeth (WhatsApp Nachricht)