Vanillekipferl ohne Ei
Die Vorweihnachtszeit wäre ohne sie nur halb so schön: Vanillekipferl. Diese Vanillekipferl werden ohne Ei zubereitet und sind wunderbar zart und mürb – sie zergehen beinahe auf der Zunge. Mein vielfach erprobtes Rezept basiert auf einem österreichischen Schulkochbuch von 1971 – und als geübte Weihnachtskeks-Esserin behaupte ich: Das sind die besten Vanillekipferl überhaupt. Damit sie beim Formen und Backen gelingen, teile ich hier meine wichtigsten Tipps für den richtigen Mürbteig, gleichmäßige Kipferl und das Bestäuben nach dem Backen.
Vanillekipferl wie früher – ein Rezept von 1971
Vanillekipferl gehören zu den Klassikern der österreichischen Weihnachtsbäckerei und sind auch in Böhmen und Deutschland beliebt. Für mich wäre ein November und Dezember ohne sie jedenfalls nur halb so schön.
Mein Rezept könnte gut von Oma oder Uroma stammen. Tatsächlich habe ich es aber aus dem österreichischen Schulkochbuch „Morgen bist du Hausfrau“ *) von 1971. Na gut, das ist mittlerweile auch schon über 50 Jahre her – für viele von euch geht sich das mit der Oma bestimmt aus.
Damals lernten Mädchen in der Schule noch, wie sie einen Haushalt zu führen hatten. Verheiratete Frauen benötigten in Österreich außerdem bis zur Familienrechtsreform 1975 die Zustimmung ihres Mannes, um berufstätig sein zu können. Heute zum Glück unvorstellbar.
Abgesehen von seinem ziemlich überholten Frauenbild ist das Buch eine wunderbare Fundgrube für klassische österreichische Rezepte.
Ich habe die ursprüngliche Zutatenmenge auf das 1,4-Fache erhöht. Einerseits war mir das Originalrezept zu knapp bemessen, andererseits komme ich so auf genau 250 g vegane Butter – eine ganze Packung, was das Abwiegen erleichtert.
Eine besonders skurrile Entdeckung möchte ich dir nicht vorenthalten: Im gerade einmal zweiseitigen Kapitel „Speisen ohne Fleisch“ finden sich unter anderem Speck, Faschiertes, Extrawurst, Rindsuppe und Sardellenfilets.
Das erinnert mich an einen Spruch, den ich früher öfter gehört habe: „Ach geh, das bisserl Wurst ist doch kein Fleisch!“
Immerhin kommt das Vanillekipferl-Rezept schon im Original ohne Ei aus und verwendet Margarine statt Butter.

Vanillekipferl mit oder ohne Ei – was ist besser?
Für besonders zarte und mürbe Vanillekipferl brauchst du kein Ei. Ein klassischer Mürbteig funktioniert wunderbar ohne.
Ein Ei beziehungsweise Eigelb kann den Teig zwar geschmeidiger machen und das Formen erleichtern. Je nach Rezept werden die Kipferl dadurch aber auch etwas fester und weniger mürb.
Und genau das möchte ich nicht. Für mich müssen gute Vanillekipferl beim Reinbeißen ganz leicht zerbrechen und beinahe im Mund zergehen. Sie sollen weder hart noch trocken sein.
Deshalb bleibe ich bei meiner bewährten Variante ohne Ei.
Warum diese Vanillekipferl auch vegan sind
Für vegane Vanillekipferl muss man das klassische Rezept nicht großartig verändern. Schon im Schulkochbuch von 1971 ist Margarine statt Butter vorgesehen, und Eier stehen gar nicht erst auf der Zutatenliste.
Ich verwende eine pflanzliche Butter beziehungsweise Margarine, die sich zum Backen eignet. Achte beim Kauf darauf, dass sie tatsächlich vegan ist.
Zusammen mit Mehl, gemahlenen Mandeln und Staubzucker ergibt sich daraus ein einfacher Mürbteig – ganz ohne tierische Zutaten.
Diese veganen Vanillekipferl schmecken für mich genauso, wie klassische Vanillekipferl schmecken sollen. Eigentlich ist der Vergleich auch überflüssig: Sie sind schließlich selbst ein Klassiker.


Welche Zutaten machen Vanillekipferl besonders mürb?
Für dieses Rezept brauchst du nur wenige Zutaten. Entscheidend sind vor allem die richtige Zusammensetzung und die Verarbeitung des Teigs.
- Glattes Weizenmehl: Es eignet sich gut für feines Mürbgebäck. Beim Kneten solltest du den Teig allerdings nicht unnötig lange bearbeiten, damit er zart bleibt.
- Gemahlene Mandeln: Ich verwende ungeschälte Mandeln. Du kannst stattdessen auch gemahlene Haselnüsse oder Walnüsse nehmen oder verschiedene Nusssorten mischen. Dadurch verändert sich natürlich der Geschmack.
- Staubzucker (Puderzucker): Er ist besonders fein und sorgt für eine gleichmäßige, zarte Konsistenz. Deshalb verwende ich ihn sowohl im Teig als auch zum Bestäuben.
- Vegane Butter: Sie sorgt für den typischen mürben, leicht buttrigen Geschmack. Wichtig ist, dass sie sich zum Backen eignet und bei der Teigzubereitung kalt ist.
Zum Schluss werden die Kipferl noch mit einer Mischung aus Staubzucker und Vanillezucker bestäubt. Erst dadurch bekommen sie ihren typischen Vanillegeschmack.
Ich mache meinen Vanillezucker übrigens gerne selbst. Dafür vermische ich echte gemahlene Vanille *) mit Zucker und bewahre die Mischung in kleinen, verschließbaren Gläsern auf. So habe ich immer etwas davon griffbereit.

Tipps für perfekte Vanillekipferl
Eigentlich sind Vanillekipferl schnell und einfach gemacht. Trotzdem gibt es ein paar Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob sie herrlich mürb werden, beim Formen zerbröseln oder im Backofen auseinanderlaufen.
Das Wichtigste sind die Temperatur des Teigs und eine zügige Verarbeitung. Zu langes Kneten oder Formen erwärmt die Butter. Dadurch kann der Teig klebrig werden, und auch die Konsistenz der fertigen Kipferl leidet.
Vanillekipferlteig: Keep cool
- Zügig kneten: Verarbeite die kalte, gewürfelte Butter möglichst rasch mit den übrigen Zutaten. Sobald ein zusammenhängender Teig entstanden ist, musst du nicht weiterkneten.
- Teig ruhen lassen: Durch das Kühlen im Kühlschrank wird das Fett wieder fester und der Teig lässt sich anschließend besser formen.
- Klebriger Teig: Wird der Teig weich und klebt an den Händen, ist er wahrscheinlich zu warm. Gib ihn lieber noch einmal in den Kühlschrank, statt zusätzliches Mehl einzuarbeiten.
- Bröseliger Teig: Direkt aus dem Kühlschrank kann der Teig wiederum zu fest sein und beim Formen zerbrechen. Lass die jeweilige Portion kurz etwas wärmer werden, bis sie sich gut bearbeiten lässt.
- Nur portionsweise herausnehmen: Die Rezeptmenge reicht für ungefähr zwei Backbleche. Während du die ersten Kipferl formst, bleibt der restliche Teig am besten im Kühlschrank.
Du kannst den Teig übrigens auch mit einer Küchenmaschine *) zubereiten. Gib die Butter dabei stückchenweise hinzu und knete nur so lange wie nötig.
Vanillekipferl gleichmäßig formen
Damit alle Kipferl gleichzeitig fertig werden, sollten sie möglichst ähnlich groß und dick sein. Darauf achte ich beim Formen:
- Nicht zu groß: Ich verwende etwas kleiner als walnussgroße Teigstücke. Die Kipferl werden beim Backen noch größer – was ich selbst fast jedes Mal wieder unterschätze.
- Möglichst gleichmäßig dick: Sehr dünne Stellen werden schneller dunkel, während dickere Stellen noch nicht ausreichend gebacken sind.
- Keine spitzen Enden: Sie können leicht verbrennen. Meine Vanillekipferl sehen deshalb eher wie kleine U aus, mit leicht abgerundeten Enden.
- Abstand lassen: Beim Backen gehen die Kipferl etwas auseinander. Setze sie also nicht zu eng nebeneinander auf das Blech.

Was tun, wenn die Vanillekipferl im Ofen zerlaufen?
Wenn die geformten Kipferl schon vor dem Backen sehr weich und warm geworden sind, können sie im Backofen auseinanderlaufen und flach werden.
In diesem Fall hilft es, das gesamte Blech vor dem Backen noch einmal kühl zu stellen (z.B. am Balkon oder im kalten Stiegenhaus, falls der Kühlschrank zu klein dafür ist), damit das Fett im Teig wieder etwas fester wird.
Besser ist es natürlich, von Anfang an zügig zu arbeiten und den übrigen Teig kühl zu halten.
Wie lange müssen Vanillekipferl backen?
Vanillekipferl sollen hell bleiben und höchstens leicht goldgelb werden. Werden sie zu dunkel, verlieren sie ihre zarte Konsistenz und schmecken nicht mehr so fein.
Die richtige Temperatur hängt auch vom Backofen ab. Bei meinem früheren Ofen haben 160 °C Ober-/Unterhitze ausgereicht, in meiner jetzigen Küche backe ich sie bei 170 °C.
Die Backzeit beträgt bei mir ungefähr 15 Minuten. Ich schaue aber schon ab etwa zehn Minuten nach, wie weit die Kipferl sind.

Vanillekipferl bestäuben, ohne dass sie zerbrechen
Frisch aus dem Backofen sind Vanillekipferl unglaublich zerbrechlich. Manchmal reicht gefühlt schon ein schiefer Blick.
Deshalb fasse ich sie zunächst gar nicht an und lasse sie auf dem Backblech liegen.
Noch warm bestäube ich sie großzügig mit der Staubzucker-Vanillezucker-Mischung. Ein feines Sieb ist dafür besonders praktisch, weil sich der Zucker damit gleichmäßig verteilen lässt.
Erst wenn die Kipferl vollständig ausgekühlt und stabiler sind, nehme ich sie vorsichtig vom Blech. Dabei kannst du sie noch einmal behutsam im überschüssigen Zucker wenden.


Wie lange sind Vanillekipferl haltbar?
In einer gut verschließbaren Keksdose, kühl und trocken gelagert, halten sich die Vanillekipferl ungefähr vier Wochen.
Du kannst sie also wunderbar schon vor Weihnachten backen. Allerdings nur, wenn du sie gut vor dir selbst versteckst.
Falls du noch etwas Passendes zu den Weihnachtskeksen suchst: Mit meinem selbstgemachten Chai-Sirup kannst du dir einen köstlichen Chai Latte zubereiten. Zusammen mit ein paar selbst gebackenen Vanillekipferln ist das übrigens auch eine schöne Geschenkidee für die Weihnachtszeit.

Vanillekipferl ohne Ei – wunderbar zart & mürb
Zutaten
Vanillekipferl Teig
- 330 g Weizenmehl glattes
- 140 g ungeschälte Mandeln gemahlen
- 80 g Staubzucker (Puderzucker) für den Teig
- 250 g vegane Butter
Zum Bestäuben und Wälzen der fertigen Vanillekipferl
- 50 g Staubzucker (Puderzucker)
- 1 EL Vanillezucker siehe Notiz
Zubereitung
- Trockene Zutaten vermischen: Mehl, gemahlene Mandeln und 80 g Staubzucker in einer großen Schüssel vermengen.
- Teig zubereiten: Die kalte vegane Butter in kleine Würfel schneiden und zu den trockenen Zutaten geben. Alles mit den Händen möglichst rasch zu einem glatten, zusammenhängenden Teig verkneten.
- Teig kühlen: Den Teig abgedeckt für etwa 60 Minuten in den Kühlschrank legen. Gegen Ende der Kühlzeit den Backofen auf 170 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
- Vanillekipferl formen: Jeweils ein höchstens walnussgroßes Stück Teig nehmen und zügig zu einem kleinen, möglichst gleichmäßig dicken Kipferl formen. Die Enden dabei nicht zu spitz machen. Die Kipferl mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Den restlichen Teig währenddessen im Kühlschrank lassen.
- Vanillekipferl backen: Die Kipferl etwa 15 Minuten backen. Bereits nach ungefähr 10 Minuten kontrollieren, wie weit sie sind. Sie sollen hell bleiben und höchstens leicht goldgelb werden.
- Mit Vanillezucker bestäuben: Den restlichen Staubzucker mit dem Vanillezucker vermischen. Die noch heißen Vanillekipferl direkt auf dem Backblech mithilfe eines feinen Siebs großzügig damit bestäuben. Dabei nicht bewegen, da sie frisch aus dem Ofen sehr leicht zerbrechen.
- Abkühlen lassen: Die Vanillekipferl vollständig auskühlen lassen. Erst danach vorsichtig vom Blech nehmen und nach Belieben nochmals im überschüssigen Zucker wenden.
Video
Notizen
- Menge: Das Rezept mit 330 g Mehl ergibt etwa 55 Vanillekipferl, die auf ungefähr zwei Backbleche passen.
- Vanillezucker selbst machen: Ich mische meinen Vanillezucker gerne selbst aus Zucker und echter gemahlener Vanille *). Dafür verwende ich ungefähr ½ TL gemahlene Vanille auf 2–3 EL Zucker. Die Mischung bewahre ich in einem kleinen, verschließbaren Glas auf.





Gerade gebacken, weil ich mein eigenes Rezept nicht finden konnte. Nur wenig geändert. Muss ich immer, weil ich in Irland lebe und vieles gar nicht kriege! Fängt beim Mehl an. Plain flour hat 2% Triebmittel (!), also nehme ich italienisches oder englisches. Margarine ist ne Katastrophe. Fast immer mindestens 1,2 – 2% Salz drin, dafür nur 30 – 60 % Fett. Habe nach langer Suche eine vegane gefunden mit 80% Fett und ganz ohne Salz. Die schmeckt nach absolut gar nichts, aber immerhin…
Gut ist hier allerdings der superfeine caster sugar, den ich immer zum Backen nehme.
Vanillezucker mache ich auch entweder selbst oder importiere ihn, gibt es mittlerweise tatsächlich auch mit echter Vanille.
Ich backe übrigens immer in der ungeheizten Küche, geht viel besser und man braucht keinen Kühlschrank. Den Teig teile ich gleich in mindestens 5 Stücke, gleich ungefähr(!) in Rollenform, kühlt schneller durch und ich mache es dann nach Art meiner Mutter: Rolle formen, Scheiben schneiden, Würstchen drehen… Und ich backe die Kipferl immer auf meinem kleinsten Blech auf Dauerbackfolie. Nach höchstens 1 Minute hebt man die Folie etwas an und die cookies lösen sich dabei meist schon. Kann man also sofort in die Schüssel mit der Vanillezuckermischung geben und vorsichtig darin wälzen. Ich nehme erheblich mehr Vanillezucker! Und dazu habe ich im Teig noch etwas Butter-Vanille-Aroma, dann essen es auch alle Nicht-Veganer. Ich lebe auch nicht vegan, esse nur viel davon, nur meine jüngste Tochter, und mir muss es so gut schmecken wie mit echter Butter, dann essen es auch problemlos alle anderen! Also vielen Dank fürs Einstellen des Rezepts.
Hehe, freut mich, dass du mein Rezept aus Not gefunden hast. 😉
Ach herrje. Ich hätte die Lebensmittel in Irland irgendwie natürlicher eingeschätzt. Was ist denn Triebmittel? Sowas wie Backpulver? Von Haus aus im Mehl?! Das mit der Margarine klingt auch katastrophal. 😀 Hier schmeckt die vegane Butter schon 1:1 wie “echte” – ein Aroma ist zum Glück nicht nötig.
Deine Tipps zum Formen sind jedenfalls super – so dürfte es echt nochmals schneller und besser gehen. Vielleicht baue ich die beim nächsten Update glatt mit ein. Danke 🙂
Welche vegane Butter verwendest Du? Entschuldige bitte, falls ich etwas frage, was schon irgendwo steht 🙈
Hallo Michael, keine Sorge, du hast keine Schleichwerbung verpasst. 😉 Ich kaufe eigentlich immer die Flora “Butter” (in der roten Packung). Viel Erfolg beim Backen!